Vor etwa einem Jahr ist Fridays for future Braunschweig aus unserem Plenum entstanden. Mittlerweile sitzt niemand von uns noch im FFF-Plenum. Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht alle sind noch aktuell. 

Aber fangen wir mit etwas Schönem an. FFF hat dieses Jahr so viele Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gebracht, wie schon lange nicht mehr. Darunter sehr viele junge Menschen für die die FFF Demos die ersten überhaupt waren, was wir erfreut und hoffnungsvoll beobachtet haben. Politisch ist leider nicht so viel passiert. Dafür aber gesellschaftlich! Die Debatte hat fast die gesamte Bevölkerung erreicht und wir sehen erste Veränderungen in Supermärkten, Schulen und Zuhause. 

Leider wird bisher noch sehr wenig über das eigentliche Problem – das kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftssystem – geredet. Das ist schade und wir hoffen, dass sich dies in Zukunft ändern wird. Einige Fridays for future Gruppen, z.B. die OG’s Köln, Göttingen und Dortmund, haben den Antikapitalismus bereits fest in ihren Werten verankert. In Braunschweig ist es leider noch nicht ausführlich besprochen worden und es gibt immer noch keine Positionierung zu dem Thema. Immer wieder darauf hinzuweisen und trotzdem nichts zu erreichen kostet Kraft und Geduld und war für einige ein Aspekt, der später zum Austritt beigetragen hat.

Und es wäre so einfach gewesen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen – es gab mehrere Vorträge, etc. – hätte sich die OG, bzw einzelne Mitglieder, nicht so überwältigende Aufgaben, wie große Teile der Organisation von dem Streik in Aachen am 21.6.19 zugemutet. Der damit einhergehende Stress sorgte dafür, dass Redelisten vernachlässigt wurden, enorme Wissensmonopole aufgebaut wurden und Privatpersonen lange auf ihr zuvor vorgestrecktes Geld warten mussten. Bedauerlicher Weise waren die Wissensmonopole, die Gesprächskultur und viele Handlungen in der Zeit sehr Cis-Männer dominiert. Für FIT* Personen keine leichte Zeit. Danach hat die Gruppe ein wunderbares Sommercamp veranstaltet, auf dem es spannende Vorträge und Workshops unter anderem zum Thema gendergerechte Sprache und Antikapitalismus gab. Das hat unterschiedlich starke Wellen geschlagen, bei einigen hat sich nichts in der Einstellung und dem (nicht-) benutzen von gendergerechter Sprache geändert, bei anderen hat sich dagegen einiges verändert. Wir sind sehr froh über die positiven Entwicklungen einzelner Mitglieder und hoffen, dass die Gruppe weiter in diese Richtung geht. 

Eine Sommerpause gab es kaum, die personellen Ressourcen konnten sich also kaum regenerieren, was wiederum ein Grund für einige war, später auszutreten.

Wir waren bis in den späten Herbst hinein in der Gruppe und sind immer noch regelmäßig auf den Demos vertreten, leider durften wir unsere Fahnen nie mit auf die Demos nehmen, da in der Gruppe eine allgemeine Frustration und Abneigung gegenüber den Parteien herrscht. Wir sind jedoch nicht „die Politik“, wir sind noch nicht mal eine Partei und auch wir müssen unsere Mutterpartei „die Grünen“ immer wieder an ihre Versprechen erinnern und die Gespräche, vor allem zu den Themen Antikapitalismus und zu häufig auch (Queer-)Feminismus vorantreiben.

Wir bewundern die Gruppe sehr für ihr Engagement, Durchhaltevermögen und Stressbewältigung, allerdings immer mit dem Hinweis, dass auch ihr zuerst auf euch achten solltet. Wir hoffen, dass ihr euch 2020 endlich ausführlich mit Antikap auseinandersetzt. Wir können noch so gute Menschen sein und noch so viele Fahrradwege bauen, aber solange der Kapitalismus herrscht und die Natur und die Menschen bis aufs äußerste ausbeutet, sind wir nur Stecknadeln im Heuhaufen. Nur, wenn wir aktiven Antikapitalismus betreiben, können wir auch langfristig eine bessere Welt erkämpfen. Wir wünschen euch alles gute zum Einjährigen Geburtstag und Kraft und Mut für den gemeinsamen, solidarischen Kampf gegen die Klimakatastrophe.