„Geeeeil, nächsten Freitag ist Black-Friday!“, schallt es durch meinen Politikkurs. „Dann gibt ́s 30% auf alles, ich geh auf jeden Fall shoppen.“. Jubelnde Zustimmung ist die Antwort auf diese Aussage. Der sogenannte „Black-Friday“ steht in erster Linie für „Geil, shoppen!“, er ist eine Ode an den Konsum.

Der Black-Friday ist eine amerikanische Erfindung, die am ersten Freitag nach Thanksgiving stattfindet und meist ein paar Tage voller Sonderangebote und Schnäppchen einläutet. Man könnte meinen, er habe einen tiefsinnigen historischen Kontext, bei genauerer Recherche wird man jedoch enttäuscht feststellen, dem ist nicht so. Am Black Friday können die ersten Weihnachtseinkäufe stattfinden und in erster Linie dient er dazu, die Wirtschaft anzukurbeln. Im Jahr 2019 wurden allein durch den Online-Handel 7,4 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht, 20% mehr als im vorangegangenen Jahr. Manche Online-Händler, wie Amazon bspw., steigerten ihren Umsatz zum Vorjahr sogar um über 50%. Was sich vorerst nach einer Win-Win-Situation für Käufer*innen und Verkäufer*innen anhört, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung allerdings als eine Strategie mit fatalen Konsequenzen. Denn hinter der Anregung des Konsums verbirgt sich ein perfider Gedanke: Auf Kosten von nachfolgenden Generationen und Mitmenschen werden Produkte im Überfluss produziert.

Die Kritik am Black-Friday kommt häufig aus einer privilegierten, wohlhabenden Mittelschicht, was uns verstehen lässt, warum manch eine*r diese als kurzsichtig und unreflektiert betitelt. Beim Black-Friday geht es jedoch nicht darum, den Kauf von notwendigen Produkten, und somit finanziell Benachteiligte, zu unterstützen. Es geht um eigene wirtschaftliche Interessen und darum, den Markt anzuregen.

Für jede Generation dieser Welt sollte eigentlich gelten, nur die wirklich notwendigen Produkte zu kaufen und dadurch Ressourcen zu sparen. Letztendlich steckt hinter dieser Idee ein solidarischer Gedanke: Schließlich soll die Erde auch für künftige Generationen noch lebenswert sein. Bei der Produktion von Konsumgütern werden nicht nur materielle Ressourcen, sondern ebenso bspw. Wasser und Energie verbraucht. In einigen Fällen werden für die Produktion außerdem Chemikalien benötigt und auf Kosten zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, sowie künftiger Generationen in die Umwelt gegeben. Hinter der Produktion unserer Konsumgüter stehen allerdings nicht nur die Ausbeutung und Verschmutzung unserer Umwelt. Ebenso hiermit in Verbindung zu bringen, ist die Ausbeutung von Menschen, die sich unter unzumutbaren Umständen an den Produktionsprozessen beteiligen müssen, um ihr Überleben zu sichern. Unser Wohlstand, unser Überfluss beruht auf dem Leid anderer Menschen.

Unsere Wirtschaft ist darauf ausgelegt, dass wir Produkte kaufen und diese nach kurzer Zeit durch neue Produkte ersetzen. Dies lässt sich wunderbar am Beispiel der Fast-Fashion-Industrie sehen. Jede Marketing-Strategie, jede Werbung versucht uns zu vermitteln: Dieses Produkt wird dein Leben verbessern, dieses Produkt brauchst du dringend in deinem Besitz, dieses Produkt macht dich glücklicher. Die Werbung zeigt ihre Wirkung. Denn wem ist die Zalando-Werbung „Schrei vor Glück“ nicht im Kopf geblieben? Und ja, sicherlich freut man sich über einen neuen, größeren Fernseher oder ein neues zehntes Kleid, wenn man nicht hinterfragt, was diese Produkte für einen langen Rattenschwanz mit sich ziehen und nicht reflektiert: Was brauche ich wirklich? Eine Studie von Greenpeace hat außerdem widerlegt, dass der Akt des Kaufens eine langfristige positive Euphorie auslöst. Viel mehr trete nach dem ersten Glücksschrei auf lange Sicht innere Leere ein. Ein Teufelskreis beginnt nun dann, wenn diese Leere und Frustration durch einen neuen Kaufrausch kompensiert wird. Und dies ist keine theoretische Überlegung, es ist die Realität, die jede*r bei genauer Beobachtung im Umfeld zu sehen bekommen kann: Konsum macht blind!

Und am Freitag, den 27. November, ist es wieder so weit: Das Leben im Überfluss wird gefeiert und gestärkt. Konsum, Konsum, Konsum, Juhu!

Auch angesichts der Corona-Pandemie bleibt zu hoffen, dass die sonst an diesen Tagen normalerweise so überfüllte Stadt leer bleibt. Natürlich gilt es, die lokalen Geschäfte in dieser Krise zu unterstützen durch sinnvolle Einkäufe. Dies kann allerdings immer geschehen, mal ganz abgesehen davon, dass die meisten Geschäfte, die den Black-Friday-Wahnsinn unterstützen, große nationale und internationale Konzerne sind. Zuhause lässt uns der Black-Friday in Anbetracht von Online-Käufen jedoch auch nicht unberührt. Die offizielle Instagramseite von Black-Friday-Deutschland berichtet, dass 65% der Befragten am 27. November online einkaufen wollen. Dass durch Online-Bestellungen, bspw. bei Amazon, weder lokale Unternehmen gestärkt werden noch, aufgrund von langen Transportwegen und viel Verpackungsmüll, Umweltschutz vertreten wird, sollte inzwischen jeder*m bewusst sein. Vor allem kleinere lokale Unternehmen erscheinen häufig vorerst konkurrenzschwach, und das nur, weil hier alle ökologischen und sozialen Aspekte vernachlässigt werden, was man in keinem Fall tun sollte. Einfach und billig ist nicht immer gleich besser!

Neben dem Konsum bleibt ebenso kritisch zu hinterfragen, inwiefern die Sparangebote auch wirklich welche sind. Häufig wird der Preis für ein Produkt kurz vor dem Black Friday deutlich teurer, weshalb sich ein Sparangebot im Vergleich zum ursprünglichen Preis kaum auswirkt. Dies zeigen Studien des ZDFs. Abermals werden die perfiden Strategien führender wirtschaftlicher Konzerne sichtbar. Neurologisch nachgewiesen ist zumal, dass uns Sparangebote dazu verleiten, mehr zu kaufen. Schließlich sei es ja auch billiger, da könnte man durchaus bei einem weiteren Produkt zuschlagen. Letztendlich führt dies zu größeren finanziellen Kosten.

Kurzgesagt: Der Black Friday ist alles andere als „geeeeil“! Er fördert Konsum, der letztendlich unsere Lebensgrundlagen zerstört und hinter dem meist menschenunwürdige Bedingungen stehen. Er ist das Produkt eines längst überholten, kapitalistischen Systems, welches jegliche demokratischen, sozialen und ökologischen Aspekte mit Füßen tritt. Hier braucht es neue Prozesse, neue Formen und neue Denkweisen, der Kapitalismus ist nicht alternativlos! Denn unendliches Wachstum auf einem begrenzten Planeten, wie soll das funktionieren? Wir brauchen dringend einen konsequenten nachhaltigen Umgang mit Konsumgütern in allen Dimensionen. Dazu gehören faire Bezahlungen und Arbeitsbedingungen, dazu gehören konsequente Maßnahmen zum Umweltschutz, dazu gehört aber auch jede*r einzelne. Sollten wir uns nicht alle fragen, was brauche ich wirklich, was hat mein Einkauf für eine Konsequenz und inwiefern werde ich Opfer der Marketing-Strategien? Nur so kann ein langfristiger Wandel hin zu einer sozialverträglichen und ökologischen Gesellschaft stattfinden. Auch wenn es zu Beginn nervig und anstrengend sein kann, es lohnt sich! Für ein besseres Morgen, für eine Zukunft!