Seit 2015 existiert das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos nahe dem Dorf Moria. Dieses war zunächst für 3000 Schutzsuchende ausgelegt, beherbergt aber heute ca. 20.000 Menschen. So hat sich um das offizielle Lager eine kleine Stadt gebildet, die aus improvisierten Hütten aus Planen besteht und in der die restlichen 17.000 Menschen leben. Aufgrund von Kriegstraumata und unwürdigen Lebensbedingungen ist die Kriminalität dort enorm hoch, täglich kommt es zu Prügeleien und Messerstechereien. Opfer davon werden meist Kinder, 8.000 von ihnen leben im Lager und machen damit 40% der Bevölkerung dort aus. Darunter sind 1.000 unbegleitete Minderjährige, die also allein, ohne ihre Familie reisen. Im offiziellen Camp gibt es Unterricht, jedoch nur für 400 von 8.000 Kinder. Die hygienischen Bedingungen im Lager sind katastrophal, es gibt nur teilweise fließendes kaltes Wasser und 240 Bewohner*innen müssen sich eine Dusche und eine Toilette teilen. Aus diesem Grund wird das Lager von Expert*innen meist als tickende Zeitbombe in Bezug auf das Corona-Virus gesehen. Wenn die Infektion dort ausbricht, wird sie sich höchstwahrscheinlich so schnell wie nie zuvor verbreiten. Bisher ist das Lager schon von der Krätze und schweren Erkältungswellen geplagt und ist trotzdem immer noch nur mit wenigen Ärzt*innen ausgestattet. Aus diesem Grund fordert der Verein Ärzte ohne Grenzen eine komplette Evakuierung, um der Coronavirus-Ausbreitung im Lager entgegenzuwirken. Bisher gab es auf europäischer Ebene noch keinerlei Entgegenkommen auf diese Forderungen der Expert*innen. Kommt es nicht bald zu einer europäischen Entscheidung, ist mit einer Infizierung und damit mit tausenden Toten zu rechnen.

Doch die Geflüchteten sind nicht nur körperlichen Schmerzen ausgesetzt, vor allem Kinder erleben auch enormes seelisches Leiden: Häufig kommt es zu Selbstverstümmelung und/oder Selbstmordversuchen, die durch Traumata hervorgerufen werden. Zudem blüht der Schwarzmarkt und Prostitution gehört für viele im Lager zum Alltag. Außerdem fehlt eine ausreichende Rechtshilfe, die Geflüchteten bei ihrem Antrag auf Asyl helfen kann. Bisher gibt es lediglich einen Anwalt im ganzen Lager. Aus diesem Grund bieten verschiedene NGOs eine Rechtshilfe für Menschen in verschiedenen Sprachen an. Doch auch diese genügt nicht für all die Menschen, die in Europa Schutz suchen.

Deshalb ist es nun an uns als Mitglieder der Europäischen Union, die Menschen aus der „Hölle Morias“, wie das Lager von Geflüchteten und Helfer*innen genannt wird, zu befreien! Indem Deutschland und andere europäische Länder Geflüchtete aufnehmen, helfen wir nicht nur Griechenland im Sinne der Unterstützung zwischen europäischen Ländern, sondern auch 20.000 Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Terrorismus fliehen mussten und jetzt unter unwürdigen Bedingungen im größten Flüchtlingslager Europas festsitzen.

Zum Weiterlesen:

Der afghanische Farid lebt im größten europäischen Flüchtlingslager auf Lesbos und spricht in diesem Artikel über die Bedingungen dort:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/lesbos-fluechtlingslager-moria-griechenland-gefluechtete

Warum Solidarität der Europäer für die Lage im Flüchtlingslager auf Lesbos unabdingbar ist, sagt der Leiter des Lagers in diesem Interview:

https://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-fluechtlingslager-moria-auf-lesbos-wir-schaffen-das-allein-nicht-a-779f2cae-cb6d-443d-b96a-3d8e43e5e6e9

Wie Flüchtlinge auf Lesbos noch versuchen, etwas Normalität in ihren Alltag zu bekommen:

https://taz.de/Fluechtlingslager-Moria-auf-Lesbos/!5664220/

Video der Ensemblemitglieder des Schauspiel Frankfurts, die auf die Missstände aufmerksam machen und den Innenminister um Hilfe bitten: