Im Bundestag liegt die Frauenquote derzeit bei nur 30,9 %. Und das nach 100 Jahren Frauenwahlrecht. Von einem „das wird sich mit der Zeit von selbst erledigen“ ist offensichtlich nicht auszugehen. Es geht um die Repräsentanz von Frauen in der Politik, aber auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Politik lässt sich nicht losgelöst von anderen Machtpositionen sehen.

Auch in den bereichen der Wirtschaft, in Medizin und Gesundheit, in Wissenschaft und Kultur, beim Film ist Repräsentanz von Frauen deutlich zu niedrig. Auf der politischen Ebene fordern wir bereits ein Parité-Gesetz. Zum Jubiläum des Frauenwahlrechts haben wir uns zusammengesetzt und gegenseitig besondere Frauen vorgestellt, die im Alltag, aber auch in der Schule oder den Universitäten, nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben. Eine kleine Auswahl haben wir in Textform gebracht und wollen sie hier mit der Hoffnung teilen, das Bewusstsein für das Thema zu stärken. Unser Ziel muss es sein, jegliche Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechtes zu beseitigen!

Bertha von Suttner

Bertha von Suttner (geboren 1843 in Prag) war die erste Frau, die den Friedensnobelpreis erhielt. 1906 wurde sie für ihren Roman „Die Waffen nieder!“ ausgezeichnet, da sie als erste den Mut hatte, in einem Militärstaat den Ruf „Die Waffen nieder!“ auszusprechen. Als sie 1887 von der britischen Friedensbewegung hörte, beschloss sie, selbst gegen Militarisierung und Antisemitismus zu kämpfen. Auch die Gleichwertigkeit von Mann und Frau war für sie von Beginn an klar.

 Mit der Gründung und Organisation verschiedener Friedensvereine gewann sie immer mehr an Bekanntheit und kämpfte bis zu ihrem Tod 1914 weiter für den Weltfrieden.

Evelyn Beatrice Hall

Evelyn Beatrice Hall, geboren 1868, war eine englische Schriftstellerin. Unter dem Synonym Stephen G. Tallentyre schrieb sie die Biografie „The life of Voltaire“. Dabei legte sie dem französischen Aufklärer die Worte „I disapprove of what you say, but I will defend to death your right to say it“ in den Mund. Viele nehmen daher fälschlicherweise an, einer der berühmtesten Aussprüche zur Meinungsfreiheit stamme von ihm, nicht von der dahinterstehenden – und übrigens zeitlebens unverheirateten – Frau Evelyn Beatrice Hall.

Elisabeth Selbert

Grundgesetz Artikel 3, Absatz 2: „[…] Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fordert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ 

Zwar hatten sich Frauen in Deutschland 1918 das Wahlrecht endlich erfolgreich erkämpft, doch selbst um 1949, kurz nach dem zweiten Weltkrieg und der verqueren Ideologie des Nationalsozialismus in der Politik, sah die Gesellschaft Frauen noch als Besitz ihrer Männer an. Arbeiten gehen durften Frauen nur mit Erlaubnis ihres Mannes – und dann mit deutlich schlechteren Aufstiegschancen. Uneheliche Kinder waren eine Katastrophe für den Ruf, das Sorgerecht erhielt der Mann. Frauen mussten jederzeit sexuell für ihren Ehemann zur Verfügung stehen und Misshandlung galt als Privatsache und wurde nicht bestraft. 

Wie kamen also Artikel ins Grundgesetz, die die Gleichberechtigung zum Leitfaden für jede Regierung, für jede Entscheidung in Gerichten machte? 

Vier Frauen waren beteiligt bei der Verfassung des Grundgesetzes. Nur für eine der 65 am Grundgesetz beteiligten Personen gehörte die Förderung der Gleichberechtigung der Frauen selbstverständlich zu den Menschenrechten dazu: Dr. Elisabeth Selbert, geb. Rohde.

1896 in Kassel geboren, wurde sie Ende 1918 aktives Mitglied der SPD. Ihr wichtigstes Thema: Gleichberechtigung. Sie holte ihr Abitur nach und studierte Rechts- und Staatswissenschaften – als eine der ersten Frauen, die zu diesem Studium zugelassen wurden. 

Trotz des Berufsverbots für Frauen als Anwältinnen im Dritten Reich setzte Elisabeth Selbert durch, dass sie eine Zulassung für eine Anwältinnenschaft bekam. Höhere Ämter blieben ihr jedoch ihr ganzes Leben lang verwehrt, weil sie eine Frau war. 

Elisabeth Selbert wurde 1946 in die Verfassungsberatende Landesversammlung für Groß-Hessen für die SPD gewählt. 1948 kam sie in den Parlamentarischen Rat, um mit 64 weiteren das Grundgesetz auszuarbeiten. Eine Formulierung, die Ähnlichkeit mit Artikel 3 hatte, stand schon in der Weimarer Verfassung. Jedoch lautete sie nur:  „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“. Elisabeth Selbert „wollte die Gleichstellung als imperativen Auftrag an den Gesetzgeber, im Gegensatz zur Weimarer Verfassung, verstanden wissen. Ich hatte nicht geglaubt, daß 1948/1949 noch über die Gleichberechtigung überhaupt diskutiert werden müßte und ganz erheblicher Widerstand zu überwinden war! Aber ich habe es dann doch mit Hilfe der Proteste aller Frauenverbände geschafft. Es war ein harter Kampf, wie die Protokolle des Parlamentarischen Rats beweisen.“

Dr. Elisabeth Selbert hat uns also die Grundlage der Gleichberechtigung geschaffen, durch ihr starkes Engagement bei der Ausarbeitung des Grundgesetzes. Sie gilt als eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“ und ist durch ihre Arbeit von großer Bedeutung für alle weiteren Maßnahmen zur Gleichberechtigung und somit für unser heutiges und zukünftiges Leben.

Hannah Arendt

Die politische Philosophin Hannah Arendt war eine der größten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Geprägt durch das Leben einer Jüdin während der Zeit des Nationalsozialismus und der zwangsläufigen Emigration in die USA plädierte sie für die Ignoranz gegenüber Normen und Traditionen. Vor allem ihr Bericht über den Eichmann-Prozess, bei dem ein ehemaliger NS-Verbrecher 1961 in Jerusalem verurteilt wurde, erregte enorme Aufmerksamkeit.

Aufgrund ihrer originellen Denkweise und ihren zahlreichen Veröffentlichungen hat Hannah Arendt auch heute nicht an Aktualität verloren. 

Rahel Jaeggi

Rahel Jaeggi ist Professorin für praktische Philosophie an der HU Berlin. Sie forscht zu Themen wie Entfremdung, Verdinglichung, Ideologie oder Lebensformen. Sie gilt als eine Vertreterin der aktuellen kritischen Theorie. 

Besonders interessant an ihrem Lebenslauf erscheint die Tatsache, dass sie mit 14 Jahren die Schule abgebrochen hat und sich der Hausbesetzerszene angeschlossen hat. Erst später holte sie Ihr Abitur nach. Sie arbeitete von 1996 bis 2001 am Lehrstuhl für Sozialphilosophie von Axel Honneth. 

Es ist auf jeden Fall lohnenswert sich ihre Interviews und Vorträge anzusehen.

Marie Curie

Marie Curie war die erste Frau mit einem Nobelpreis und die einzige mit zwei Nobelpreisen.
Marie Skłodowska Curie wurde am 7. November 1867 in Warschau geboren und starb am 4.Juli 1934 in Sanatorium Sancellemoz bei Passy an den Spätfolgung ihres langen Umgang mit radioaktiven Materialien.
Da es Frauen versagt war in Polen zu studieren, reiste sie 1891 nach Paris und schrieb sich wie 22 andere Kommilitoninnen in die Faculté des sciences ein. Die Prüfung in Physik im Juli 1893 schloss sie als Beste und in Mathematik im Juli 1894 als zweitbeste ab. Durch berufliche Zusammenarbeit lernte sie Pierre Curie kennen, welchen sie am 26. Juli 1895 heiratete. Selber als hinderlich, durch die öffentliche Aufmerksamkeit, empfunden, erhält sie 1903 anteilig den Nobelpreis für Physik und 1911 den für Chemie. Dabei hatte sie darunter zu leiden, dass die französische Öffentlichkeit ihr für den anteiligen Preis nur Assistenzarbeit zu schrieb und der zweite Preis vollkommen in Presse, da sie in Ungnade gefallen war, unterging . Nach dem Unfalltod ihres Mannes, übernahm sie dessen Lehrtätigkeit und ist damit die erste Frau, die an der Sorbonne unterrichtet hat.
Ende 1911 hat  sie sehr unter der öffentlichen Meinung zu leiden, da die Presse von ihrer Affäre mit dem verheirateten Wissenschaftler Paul Langevin Wind bekam.
Während des ersten Weltkrieges rüstet sie 20 radiologische Fahrzeug aus und bildet die Personen für die Fahrzeuge aus, um die medizinische Erstversorgung zu verbessern. Ab 1914 wurde Marie zur Leiterin des Radium-Instituts, in welchem sie 1916 die Abteilung Radiotherapie schafft.
Obwohl Marie Curie am eigenen Körper zu spüren bekam, was  für gesundheitliche Schäden Radioaktive Strahlungen hervorrufen, wollte sie diese bis zu ihrem Tod nicht wahrhaben.